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Das Geheimnis der schwäbischen Hausfrau

Sie zählt zu den berühmtesten Frauen Deutschlands und bleibt dennoch bescheiden: Die schwäbische Hausfrau. Bevor sie ihren internationalen Durchbruch als Wirtschaftsexpertin für Staatshaushalte feierte, war sie lange als private Schuldnerberaterin in Baden-Württemberg tätig. Bis sie 2008 von der Bundeskanzlerin entdeckt und zur Ikone deutscher Tugend gekürt wurde. Im Interview erklärte Merkel später, dass sie vor allem ihre Arbeitsmoral schätze, die ohne Lohn und eigene Bedürfnisse auskomme.

Mit Schürze, Kopftuch und Kochlöffel als Accessoire, setzte sie neue modische Akzente in Berlin. Trotz ihrer bodenständigen Art, hatte sie eine bemerkenswerte Ausstrahlung. Mit der einfachen, aber genialen Formel „Halded`s Geld zsamma“ erlangte sie internationalen Ruhm und erntete viel Anerkennung aus neoliberalen Wirtschaftskreisen. Wolfgang Schäuble nannte sie bewundernd „die Mutter der schwarzen Null“. Über die Gerüchte eines heimlichen Verhältnisses, schweigt der ehemalige Finanzminister bis heute. Auch sonst erfährt man wenig über das Leben der schwäbischen Hausfrau, das hauptsächlich hinter verschlossenen Türen stattfindet.

2020 dann der Absturz. Mit der Corona-Krise feierte die Neuverschuldung ihr Comeback und die schwäbische Hausfrau war plötzlich out. Sie sollte sich wieder auf ihre Spezialgebiete, Privathaushalt und Kindererziehung, konzentrieren. Unentgeltlich, versteht sich. Auch ihre Fortbildung als Privatlehrerin im Homeschooling änderte daran wenig.

Nun gab ein Mann ihr endlich wieder eine Bühne. Der Ministerpräsident ihrer Heimat: Winfried Kretschmann. Der stellte sich schamlos hinter sie, als er im Juni das Gesetz zur Ganztagsbetreuung von Grundschulkindern blockierte. „Auch das Gute will bezahlt sei. Daher die große Metapher der schwäbischen Hausfrau“, sagte Kretschmann mit funkelnden Augen. Unfreiwillig lieferte er uns damit auch endlich eine Erklärung für die emsige Sparsamkeit der schwäbischen Hausfrau. Denn wer an Betreuungsplätzen spart, spart auf Kosten jener Frauen, die für den Nachwuchs zu Hause bleiben müssen. Und wer an sich selbst spart, bleibt eben bescheiden. Aber was wäre schon ein Schwabenländle ohne seine schwäbischen Hausfrauen?

 

 

 

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