Was übrig bleibt

„Am Ende ist eh alles Techno“. Nostalgisch erinnert der Spruch an Zeiten, an denen junge Menschen gedankenlos feiern gehen konnten. Er klebt im Jugendkulturbus der Stadt Bornheim im Rheinland. Wie erleben Jugendliche die Pandemie und was bleibt von ihrem früheren Leben übrig?

Wie jeden Mittwoch, steht der „Jukubu 1237“ auch heute wieder auf dem Schulhof der Heinrich-Böll-Schule. Mit einem Hebel am Cockpit wird die Eingangstür des knallgelben US-Oldtimers, den man aus Hollywood-Filmen kennt, geöffnet. Ein intensiv süßlich-künstlicher Duft nach Energy-Drink und Gummibärchen durchzieht den etwa 8 Meter langen, schmalen Gang. Der nasskalte Novembertag dämmert schwach durch die Fenster. Neonlichtstreifen an der Decke erhellen den wohnlich umgebauten Innenraum. In der hinteren linken Ecke, strecken sich einige Jungs auf Kunstledersitzen aus. Sie halten entweder einen Controller für die Spielkonsole oder ihr Handy in der Hand. Nebenbei unterhalten sie sich über Schule

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, Ausbildung und Freundin. Unter den Jugendlichen hat sich schnell herumgesprochen, dass man sich hier zum Spielen und Surfen treffen kann. Sie nennen ihn deshalb auch „Gaming-Bus“. Vorher, erzählt der 17-jährige Adam, seien sie dafür extra nach Bonn gefahren. Seit zweieinhalb Jahren kommt Adam nun schon hier her. Über einen Instagram-Post sei er damals auf den Bus aufmerksam geworden.

Den Jugendkulturbus  gibt es in dieser Form seit April 2019. Er ist ein kostenloses Angebot der Stadt Bornheim, Träger ist das Evangelische Kinder- und Jugendreferat der Kirchenkreise an Sieg, Rhein und Bonn (Evaju). Der Bus ist eine Mischung aus festem Standortangebot und mobilem Streetwork. Laut Wochenfahrplan, fährt er aktuell Montag bis Freitag, in der Zeit zwischen 16 Uhr und 21 Uhr, jeweils drei feste Standorte in Bornheim an. Neben der Sitzecke hinten, gibt es im vorderen Teil eine zweite Sitzbank, sowie einen Tisch mit Bänken an dem Karten gespielt oder gegessen werden kann. Insgesamt finden etwa 15 Personen in dem Bus Platz. Eine kleine Küchenzeile, eine Musikanlage, WLAN-Zugang sowie diverses Spiel- und Sportmaterial für drinnen und draußen, gehören ebenfalls zur Ausstattung des Busses. Außerdem gibt es regelmäßig stattfindende Projekte, ein spezielles Ferienprogramm, sowie eine Ferienfreizeit für die Jugendlichen.

Der „Jukubu 1237“ auf dem Hof der Heinrich-Böll-Schule im November ´21 (Quelle: Aura-Shirin Riedel)

Das Herzstück des Angebots aber bilden Alexandra Wolff (28), kurz Alex genannt, und Andreas Wabnik (43), den sie Andy nennen. Andy ist nach seinem Umzug aus Stuttgart ein paar Monate später dazu gestoßen. Wenn er nicht gerade mit Alex im Bus unterwegs ist, dreht er Videos für Instagram. Darin gibt Tipps oder kocht Pasta mit Zucchini und Tomaten. Alex kennt ein paar der Kids schon mehrere Jahre. Sie hat vorher im Kulturraum gearbeitet, einem weiteren Angebot für junge Menschen aus Bornheim. „Da sind glücklicherweise einige Jugendliche mitgekommen und haben den Bus auch angenommen“, erzählt die Pädagogin, die ständig ein Grinsen im Gesicht hat. Ihre lockere, direkte Art weckt Vertrauen. Zum Team gehören außerdem die Hunde Tawaa, Pepé und Nika. Zusammen sind sie Seelentröster, Spielkameraden, Hilfesteller, Berater und ganz oft einfach nur Zuhörer.

Die Besucher sind meist zwischen 13 und 20 Jahre alt. Auffällig ist, dass sie an diesem Abend alle männlich sind. Es komme auf den Standort an, erklärt Alex. Etwa ein Drittel ihrer regelmäßigen Besucher seien weiblich. Mädchen kämen aber meist für kürzere Zeit und weniger häufig. Sie vermuten, dass sie sich lieber in kleineren Gruppen ohne Jungs träfen. Bei Projekten, wie zuletzt dem Filmwettbewerb, wären sie dann aber oft wieder in der Mehrzahl. Je nach Standort kommen an einem Abend ca. 15-20 Jugendliche. Heute sind es mit etwa 12 Besuchern eher wenige, sagt Alex. Sitzplätze sind dennoch rar. Der Boden ist mit Hunden belegt, die ihr Bestes geben, sich möglichst klein zu machen. Es ist ein ständiges Raus und Rein. Ein Teil der Gruppe spielt auf dem Schulhof im Scheinwerferlicht Fußball. Bei gutem Wetter, sagt Andy, hielten sie sich überwiegend draußen auf.

Die Corona-Pandemie scheint hier vergessen zu sein. Der kleine Raum ist voll, von Abständen kann keine Rede sein. Auch eine Maske müssen getestete Schüler*innen aktuell nicht tagen. Durch die Atemluft der vielen Menschen, sind die Scheiben von innen beschlagen. Dennoch ist es kühl im Bus, weil die Standheizung kaputt ist. Um für ein wenig Wärme zu sorgen, lässt Andy den alten Motor für einige Minuten aufbrummen. Die Lautstärke erreicht ein Level, an dem man sich beinahe anbrüllen muss, um sich zu verstehen. Der Ort verwandelt sich in eine etwa 20 m² große Raumkapsel, die die Schwerkraft des Alltags aufhebt. Sie ist nicht besonders gemütlich, aber sie ist geschützt und vertraut. Ein Raum, der für die Jugendlichen nicht nur ein wenig Freiheit bedeutet, sondern ihnen auch Sicherheit und Kontinuität gibt. Während einiges ihres früheren sozialen Lebens durch die Pandemie verloren gegangen ist.

Als das Angebot 2020 wegen Corona eingeschränkt wurde, versuchten die Jugendlichen weiterhin Kontakt zu halten. „Selbst da waren die total treu“, sagt Alex. „Wir hatten nämlich Walk and Talk. Einzelfallhilfen waren erlaubt und Spaziergänge auf Abstand.“ Adam und der 16-jährige Emil gehörten zu jenen, die jede Woche dabei waren. Darüber hinaus hatten sie auch verschiedene Online-Angebote, über die sie die jungen Menschen erreichten. „Sie hatten unendlich großen Redebedarf während des Lockdowns“, erinnert sich Alex. „Und das hat richtig gut getan“, ergänzt sie Emil. „Wir waren ja die ganze Zeit eingesperrt. Da war es richtig befreiend mit euch raus zu gehen. Ohne euch hätte ich mich wahrscheinlich gar nicht mehr raus bewegt“, erzählt er weiter, während ihm die anderen aufmerksam zuhören. Trotzdem seien sie zwischendurch immer wieder in ein Loch gefallen, sagt er. Alex berichtet, dass viele von ihnen stundenlang auf Spielservern hingen, nur um den Gesprächen dort zu zuhören. Laut einer Studie der Bertelsmann Stiftung, fühlten sich 61 Prozent der Jugendlichen teilweise oder dauerhaft einsam. 64 Prozent stimmten (teilweise) zu, psychisch belastet zu sein. Zudem gaben 65 Prozent der Befragten an, dass ihre Sorgen nicht gehört werden.

Dass ihr Angebot irgendwann nicht weiter finanziert würde, darüber macht sich Alex keine Sorgen. Der Umstand, dass der Bus spontan auf Bedarfslagen reagieren kann, ist eines seiner Erfolgsfaktoren. Standorte können flexibel wechseln und Jugendliche profitieren nachweislich vom Angebot. Darunter sind insbesondere jene, die nicht zu Hause bleiben können, um Freunde zu treffen. „Die sind dann ganz dankbar dafür, dass es hier einen Rahmen gibt, der sie auffängt“, sagt Alex. So wird der „Jukubu 1237“ etwas von den wenigen Dingen bleiben, worauf sich die jungen Menschen aus Bornheim auch in Pandemiezeiten verlassen können

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