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Naturgewalt

Vor fast genau 50 Jahren begann die Peabody Coal Company (die heute Peabody Energy heißt und das größte private Kohlebergbauunternehmen der Welt war, bis es 2016 schließlich Pleite ging) die größte Kohlemine der USA frei zu schaufeln. Die Fläche hatte das Unternehmen von den Navajo- und Hopi-Stämmen mit dem Versprechen gepachtet, ihren Grund und Boden nicht zu beschädigen. Doch sie wurden betrogen. In ihrer Not schrieb eine Gruppe von Hopi-Indianern 1970 folgenden Brief an US-Präsident Nixon:

„Sehr geehrter Herr Präsident,

Wir, die wahren und traditionellen religiösen Führer, und als solche vom Volk der Hopi anerkannt, bestehen auf voller Verfügungsgewalt über alles Land und Leben auf der westlichen Hemisphäre dieses Kontinents. Unser Amt als Verwalter dieses Landes wurde uns dank unseres Wissens vom Sinn der Natur, des Friedens und der Harmonie verliehen, so, wie es unserem Volk von ihm verkündet wurde, den wir Massau’u, Großer Geist, nennen und der uns vor Urzeiten die heilige Steintafeln schenkte, die wir bis auf den heutigen Tag aufbewahren.

Viele Generationen vor dem Kommen des Weißen Mannes und viele Generationen vor dem Kommen der Navajos hat das Hopi-Volk in dem heiligen Land gelebt, das Ihnen als der Südwesten bekannt ist – und uns als das geistige Zentrum unseres Kontinents. Die Kinder des Hopi-Volks, die dem Pfad des Großen Geistes gehorsam folgten, sind im Besitz einer Botschaft, die wir erhielten und die wir Ihnen übermitteln sollen.

In seinem Unverständnis von den Wegen der Natur hat der Weiße Mann das Gesicht der Mutter Erde geschändet. Das fortgeschrittene technologische Können des Weißen Mannes ergab sich, weil er den Weg der Seele und das Verhalten aller lebendigen Geschöpfe missachtet. Die Gier des Weißen Mannes nach materiellem Besitz und nach Macht hat ihn blind gemacht für den Schmerz, den er der Mutter Erde auf seiner Suche nach dem zugefügt hat, was er Naturschätze nennt. Und der Pfad des Großen Geistes war für die meisten Menschen kaum noch zu erkennen, sogar für viele Indianer nicht, die es vorzogen dem Pfad des Weißen Mannes zu folgen…

Heute wird das heilige Land, wo die Hopis leben, von Männern entweiht, die Kohle und Wasser auf unserem Grund und Boden suchen, um mehr Energie für die Städte des Weißen Mannes zu gewinnen. Diesem Treiben muss Einhalt geboten werden; denn wenn die Weißen das Land weiter so behandeln, wird unsere Mutter Natur sich auf eine Weise wehren, die für fast alle Menschen Leid bedeutet – und das Ende einer Lebensweise, die sie bisher gewohnt waren. Der Große Geist sagte, wir dürften das nicht zulassen, wie es auch schon unseren Vorfahren vorausgesagt wurde. Der Große Geist sagte, man dürfe die Erde nicht angreifen und lebende Geschöpfe nicht zerstören. Der Große Geist Massau’u sagte, der Mensch solle in Harmonie leben und für alle noch kommenden Kinder ein gutes, sauberes Land erhalten. Alle Hopi-Leute und andere indianische Brüder (bzw. Schwestern, eigene Anm.) vertreten diesen religiösen Grundsatz, und die Bewegung „Traditional Spiritual Unity“ bemüht sich heute darum, das Interesse aller Indianer im ganzen Land neu für die Gesetze der Natur und ihren religiösen Ursprung zu wecken. Die Regierung hat die Grundlagen unserer Religion fast zerstört, die für uns wirklich die Gesetze verkörperte, nach denen unser ganzes Volk im Land des Großen Geistes leben sollte.

Heute sind fast alle Voraussagen in Erfüllung gegangen. Große Straßen ziehen wie Ströme durch das Land; durch Spinnenfäden des Telefons (bzw. Internet, eigene Anm.) spricht der Mensch zum Menschen; über die Straßen des Himmels reist der Mensch in seinen Flugzeugen; zwei große Kriege sind von denen geführt worden, die das Hakenkreuz oder das Zeichen der aufgehenden Sonne trugen; der Mensch vergreift sich am Mond und an den Sternen. Die meisten Menschen sind abgewichen von dem Pfad, den uns der große Geist gezeigt hat. Denn Massau’u allein ist groß genug, um den Weg zurück zu beschreiben.

Der Große Geist hat verkündet, wenn ein Flaschenkürbis voll Asche auf die Erde geworfen würde, müssten viele Menschen sterben, und das Ende unseres bisherigen Lebens sei Nahe. Wir deuten diese Prophezeiung als den Abwurf von Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki. Wir wollen nicht, dass dergleichen noch einmal irgendeinem Land oder Volk widerfährt. Wir sollten statt dessen all diese Energie für friedliche Zwecke nutzen und nicht für den Krieg einsetzen.

Wir, die religiösen Führer und rechtmäßigen Sprecher des unabhängigen Hopi-Volkes, sind vom Großen Geist angewiesen worden, dem Präsidenten der Vereinigten Staaten und allen geistigen Führern überall auf der Erde die Einlaltung zu übermitteln, mit uns zusammen zu treffen und über das Wohlergehen der Menschheit zu sprechen, damit Frieden, Einheit und Brüderlichkeit allen Menschen überall zuteilwerden.

Hochachtungsvoll,

Gezeichnet: Thomas Banyacya, für die Hopi Traditional Village Leaders:

Mrs Mina Lansa, Oraibi,

Claude Kawangyawma, Shungopavy,

Starlie Lomayaktewa, Mushongnovi,

Dan Katchongva, Hotevilla.“

Quelle: T.C. McLuhan (1980): Wie der Hauch eines Büffels im Winter, Hoffmann und Campe Verlag

Der Glaube, der Mensch könne die Natur vollständig beherrschen und kontrollieren, ist eine Illusion. Die Erde braucht uns nicht, aber wir brauchen sie. Deshalb müssen wir die Macht und die Arroganz des „Weißen Mannes“ brechen und um Vergebung bitten. Indem wir Mutter Natur insgesamt, sowie den Tiermüttern und Menschenmüttern in Demut begegnen und sie ehren und respektieren.

Wenn wir wertvolle Dinge aus der Erde holen, öffnen wir dem Unheil die Tore.

*Hopi- Prophezeiung

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