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Warum wir keinen Weltmännertag feiern

Wie würde eine Welt aussehen, in der Frauen den Maßstab festlegen? (Quelle: Pixabay)

Weltweit kämpfen Frauen um Gleichberechtigung, gesellschaftliche Teilhabe und gegen die Gewalt von Männern. Nicht nur am Weltfrauentag, sondern täglich, praktisch ihr Leben lang. Dieser Kampf kann nur aus dem Bewusstsein heraus geführt werden, dass Frauen aufgrund ihres Geschlechts benachteiligt und Gewalt ausgesetzt werden. Oder anders gesagt: Erst wenn sich Frauen darüber bewusst sind, was es bedeutet, eine Frau zu sein, können sie sich gegen männliche Dominanz wehren. Der 8. März ist daher ein wichtiger Tag für das (Selbst-)Bewusstsein der Frauen. Er verbindet ihre Kämpfe, macht auf ihre Situationen aufmerksam und gibt wichtige Impulse für Veränderungen.

Wenn ausgerechnet Alice Schwarzer diesen Tag als „Witz“ bezeichnet und ihn abschaffen will, weil er auf eine sozialistische Idee zurückgeht, ist das bezeichnend für den Zustand des heutigen Feminismus. Er hat sich von der ursprünglichen Idee der Befreiung der Frau verabschiedet und begreift sich als inklusive Menschenrechtsbewegung. Die Interessen von Mädchen und Frauen werden darin untergeordnet und relativiert. Ein Feminismus, der die Unterschiede zwischen den Geschlechtern als diffuses Gefühl begreift, stärkt nicht das Frauenbewusstsein, sondern schwächt und mindert es. Indem der Begriff der „Frau“ verwässert und nicht mehr mit dem weiblichen Geschlecht in Verbindung gesetzt wird, demontiert sich der Feminismus selbst. Er entzieht der Frauenrechtsbewegung die Grundlage und Legitimität für den Kampf gegen männliche Vorherrschaft.

Dass es aber einen Unterschied macht, als Frau oder Mann auf die Welt zu kommen, kann niemand ernsthaft anzweifeln. Und dass darin Frauen eine deutlich schlechtere Position einnehmen als Männer, muss hoffentlich auch nicht weiter diskutiert werden. Allerdings ist die Entstehung des Patriarchats kein bloßer Zufall. Hegemoniale Männlichkeit beruht vielmehr auf dem Macht- und Besitzdenken des Mannes am Körper der Frau und der Kontrolle über ihre Fortpflanzung. In den körperlichen Unterschieden zwischen den Geschlechtern finden wir also überhaupt erst die Erklärung für die Unterdrückung der Frau. Leugnen wir die Unterschiede jedoch, wird es unmöglich, die Ursachen patriarchaler Verhältnisse zu bekämpfen und schließlich zu beseitigen.

Gleichzeitig darf sich die Frauenbewegung nicht darin erschöpfen, Frauen möglichst perfekt in die Welt der Männer integrieren zu wollen. Wir müssen vielmehr begreifen, dass unsere Wertvorstellungen stark durch eine androzentrische Weltsicht geprägt sind. Das heißt, dass wir den Mann und das Männliche als Maßstab und Norm verstehen und die Frau und das Weibliche als Abweichung von dieser Norm. Das erkennt man schon allein daran, dass männliche Erwerbsbiografien, die in Vollzeit und ohne Unterbrechungen, wegen Kinderbetreuung oder Pflege von Angehörigen, absolviert werden, noch immer das Ideal darstellen. Jahrtausende hindurch haben sich Männer die Welt so gebaut, wie sie ihren Bedürfnissen am besten gerecht wird. Gleichstellung bedeutet dabei nichts anderes, als dass sich Frauen diesen Bedürfnissen und ihren Bedingungen anpassen müssen. In Wahrheit hat das weder etwas mit Fairness, noch mit Gleichberechtigung zu tun. Eine Welt, die von und für Männer gemacht ist, braucht daher keinen Weltmännertag, denn diesen haben wir jeden Tag.

Warum nehmen wir den Weltfrauentag daher nicht zur Abwechslung zum Anlass, die Frauen in ihrer Verschiedenheit zum Mann zu feiern? Die gerade deshalb dafür bestimmt sind, die Welt zu verändern. Frauen sind nicht wie Männer und das ist gut so.

#Weltfrauentag #8März #Feminismus

 

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